Wir gärtnern nun biologisch

Der Biogarten von Marie Luise KreuterWir, damit meine ich meine Mutter und ich. Vor unserem Haus haben wir einen Nutzgarten, dessen gesunde Wirkung des Gemüses zwar umstritten ist, da wir direkt an der Hauptstrasse liegen, aber der uns doch viel Spaß macht. Klar, Arbeit ist es auch, aber im Spätsommer haben wir dann einiges an selbstgezüchtetem Gemüse zu Hause, das sogar schmeckt ;-) . Beim Stöbern in einem Buchladen bin ich dann auf ein ganz tolles Garten-Buch gestoßen: Der Biogarten von Marie-Luise Kreuter. Auf Amazon hat das Buch durchweg gute Kritiken und somit landete es später dann in meinem Einkaufswagen ;-) Das Buch ist wirklich ein dicker Wälzer, hält aber super viele praktische Anleitungen und Tipps parat, um seinen Garten “biologisch” zu bewirtschaften. Unter “biologisch” versteht sich, dass man den Garten im Einklang mit der Natur pflegt und anbaut. Der Einsatz von chemischen Spritzmitteln bleibt aus, sowie das Umgraben im Herbst. Einiges haben wir sowieso schon gemacht, anderes war uns neu.

Der Umstieg in das biologische Gärtnern ist eigentlich relativ einfach, erfordert aber unsererseits etwas Umstellung. Vieles, was wir als Unkräuter immer schön rausgerissen haben, eignet sich gut als Mulchmaterial oder hilft sogar den Boden zu verbessern. Die Zeit des sauberen, schön geharkten Gartens ist vorbei. Was ich damit meine? Zur Bodenverbesserung soll man auf dem Gartenboden eine Mulchdecke legen. Dies kann z.B. getrockneter Rasenschnitt sein, Blätter von Gemüse und Blumen oder eben das “Unkraut”, welches man an Ort und Stelle rausreißt. Das Mulchen wirkt wie eine Blätterdecke im Wald: der Boden darunter trocknet nicht so schnell aus, Unkräuter wachsen nicht so schnell nach und mit der Zeit verrottet diese Schicht und bietet Nährstoffe für den Boden. Die Sache mit den rausgerupften Unkräutern macht uns aber noch etwas Schwierigkeiten ;-) Da es ja bisher recht feucht war, konnten die rausgerissenen Pflanzen wieder schön Wurzeln schlagen und fingen trotzdem an zu blühen. So war das nicht geplant, daher haben wir nun beschlossen das Unkraut doch zu entfernen, es zu schreddern und dann wieder als Mulchdecke auszubreiten, oder es auf den Kompost zu geben.

Gemulchter Garten

Unser Garten aktuell mit Rasenschnitt gemulcht

Wie man einen richtigen Kompost ansetzt ist in dem Buch “Der Biogarten” auch ganz gut beschrieben. Wir haben nämlich immer alles auf einen Haufen gekippt. Die Küchenabfälle, welche täglich von drei Haushalten hier anfallen, bildeten die hauptsächliche Schicht. Erst wenn wir mal den Rasen gemäht haben oder Hecken geschnitten, kam grobes Material dazu. Die Folge: der Kompost verdichtete sich zu sehr und es entstand eklige Schmiere anstatt schöner Erde. Das Geheimnis: den Kompost immer schön schichten mit groben und feinem Material. So kann immer noch Luft dazwischen und das Material verrottet schneller. Angeblich soll so ein Kompost in 3-4 Monaten fertig sein. Naja, wir werden das sehen und ich kann euch ja dann berichten, ob es geklappt hat ;-)

Was auch ein Thema ist im “Biogarten”, ist das alljährliche Umgraben des Gartens. Das sollte man aber nicht tun, da man sonst die unteren Erdschichten mit all seinen Nützlingen zerstört. Im Buch wurde die Erde nur mit Hilfe eines Sauzahns aufgelockert. Sauzahn? Was’n das? Hatten wir bisher noch nie gehört, aber wurde im Buch auch abgebildet. Meine Mutter und ich haben dann beschlossen uns so ein Teil zu kaufen. Daraufhin habe ich im Internet nach einem günstigen Angebot gesucht und über das Verbraucherportal Yopi.de wurde ich dann auch fündig. In der Kategorie Garten und Bodenhacken waren einige Anbieter eines solchen Sauzahns. Ich hatte ja erst meine Zweifel, ob ich da im Internet fündig werden würde ;-) . Für ca. 40€ konnte ich dann ein gutes Gerät bestellen – dass es gut ist merkte ich, als es ankam: richtig massiver Stiel und massiver “Zahn”. Der Sauzahn liegt recht schwer in der Hand, aber ich glaube, damit können wir im Herbst gut mit arbeiten – ich bin schon gespannt wie es funktioniert! Damit ihr wisst wie so ein Teil aussieht – hier mal ein Foto davon:

Sauzahn

Neben dem Thema wie man einen Garten richtig anlegt und wie man damit verfährt, gibt es auch ein Kapitel über Schädlinge und deren Bekämpfung. Eigentlich – so sagt das Buch – gibt es keine Schädlinge. Deswegen sollte man auch nicht unbedingt gegen sie vorgehen. Allerdings können sie schon zur Plage werden, daher gibt es hier biologische Tipps sie zu bekämpfen. Nehmen wir mal die Läuse als Beispiel. Neben den natürlichen Feinden wie Marienkäfer und Schlupfwespen, gibt es noch die Möglichkeit die befallenen Pflanzen mit Brennessel-Jauche zu bespritzen. Für die Jauche setzt man einfach Wasser mit Brennesseln an und lässt es stehen. Die Pflanzen zersetzen sich und es entsteht eine ziemlich stinkende Brühe. Die wird wiederum stark verdünnt dann auf die Läuse gesprüht. Für ganz harte Fälle gibt es aber auch Vorschläge von käuflichen Mitteln, die allerdings biologisch relativ unbedenklich sind. Die Jauche kann auch zur Düngung genommen werden. Neben Brennessel-Jauche wird auch Beinwell-Jauche angegeben und viele andere auch. Im Prinzip kann man alles pflanzliches “verjauchen” ;-) Mit der stinkenden Brennessel-Mischung haben wir nun unser Gemüse gedüngt. Dabei sollte man die Jauche nur direkt an die Wurzeln gießen, da bei Salat z.B. dieser nachher nicht mehr schmecken würde. Klar, bei dem Gestank will ich nicht wissen wie das auf Salat schmeckt :-P Natürliche Fraß-Feinde haben wir allerdings schon ne Menge im Garten. Aber damit sie sich noch wohler fühlen, will ich uns nächstes Jahr ein Insektenhotel aufstellen. Da können sich dann die Insekten einnisten und zum Schlemmen in den Garten fliegen ;-)

Ich könnte jetzt noch stundenlang weiter erzählen, denn das Buch ist wirklich umfassend. Es bietet eine Übersicht über Gemüse, Kräuter, Blumen, Bäume und Sträucher und gibt Tipps zur Gestaltung eines Gartens. Welche Pflanzen (ob Gemüse oder nicht) gut miteinander auskommen, welche den Boden lockern oder welche Schädlinge abhalten. Wer sich also für das Thema Garten und Natur interessiert, für den ist das Buch wirklich eine Bereicherung!

Im Moment haben wir den Garten soweit im Griff. Das erste Gemüse in Form von Mangold und Erbsen wurde schon geerntet und auch die Rote Beete und die Möhren sind bald soweit. Bohnen hängen auch schon dick am Busch (obwohl ich die nicht so mag, die wollte meine Mutter) und Salat gibt es auch frisch vom “Feld”. Teilweise kommt man gar nicht dazu alles zu essen. Das meiste frieren wir dann ein oder machen irgendwas draus. Nur der Salat – der muss eben gegessen werden. Tut ja auch der Figur ganz gut ;-)

Was haltet ihr von der Idee des “biologischen Gärtnerns”? Wäre das auch was für euch?