Via BloggDeinBuch habe ich Ende Mai ein ganz tolles Buch bekommen. Gelesen war es recht schnell, nur bin ich erst jetzt dazu gekommen, darüber zu schreiben. Es ist kein Roman oder eine Erzählung, keine Kurzgeschichte und auch kein wirklicher Ratgeber. Das Buch hat mich sofort vom Titel her angesprochen und auch das Cover fand ich schön. Aber nun erst mal zum Buch:
Mit Samenbomben die Welt verändern – Für Guerilla-Gärtner und alle, die es werden wollen
Das Buch ist erschienen im Ulmer-Verlag, der übrigens noch mehr Bücher im Sortiment hat, die mich ansprechen
, und von der Autorin Josie Jeffery. Meine erste Frage beim Lesen des Titels war “Was sind denn Samenbomben?” Und genau darum geht es in dem Buch. Denn Samenbomben sind Kugeln aus Erde und Sämereien, die man ganz einfach zu Hause selbst herstellen kann. Nun fragt man sich wohl weswegen sollte man das tun? Um die Welt zu verändern – beim Spazieren gehen Samenbomben auf ödes, brachliegendes, ungenutztes Land werfen und abwarten bis sich dort neues Leben entwickelt. Insgesamt gibt das Buch 13 “Rezepte” für solchen Guerilla-Bomben und nebenbei noch einen Pflanzenteil, in dem 40 Pflanzen vorgestellt werden, die sich für Samenbomben eignen.
Zuerst einmal ist das Buch wirklich schön gemacht. Das Cover, die Innenseiten – eigentlich alles. Kein Text auf weißem Papier, sondern Text, Bilder und Zeichnungen auf bräunlichem, dicken Papier. Die braune Farbe lässt vermuten es sei Recycling-Papier (und verleiht dem Ganzen einen Öko-Charakter), was ich allerdings nicht glaube. Sonst wäre das vermutlich irgendwo im Buch vermerkt worden. Das ganze Layout ist lässig und alles andere wie langweilig. Tolle Fotos von Pflanzen und Blumen, aber auch Fotos zur bildlichen Darstellung der Samenbomben-Herstellung. So kann eigentlich nichts schief gehen.
Zu Beginn des Buches bekommt man einen Einblick in das Leben der Autorin. Josie Jeffery studierte Gartenbau und Gartendesign und verbrachte den Großteil ihrer Kindheit auf der Straße. Ihre Familie zog durch Europa und lebte ziemlich “wild”. Was wohl ihre Kreativität gefördert hat. Seit 2003 setzt sie sich mit Samenbomben auseinander, gibt sogar Workshops und hat eine Homepage über ihr eigens gegründetes Label seedfreedom. Ich beneide ja solche kreativen Menschen – meine Kreativität ist leider nicht so sehr ausgeprägt
Weiter geht’s im Buch mit den Grundlagen der Samenbombenherstellung. Was ist das, wozu dienen sie und worauf soll ich achten? Es wird erklärt wie man die Samenbomben am Besten platziert, welche “Landeplätze” geeignet sind und wo die Idee ihren Ursprung hat. Sehr interessant und gut erklärt – immer mit ansprechenden Fotos und Zeichnungen versehen. Auch über das Guerilla-Gärtnern widemt sich Josie Jeffery ein Kapitel. Was man darunter versteht, wo es seinen Ursprung hat. Ich gebe zu, dass ich bis dato noch nie davon gehört hatte und es sich ein wenig “verboten” anhört. Aber die Autorin möchte hier keine Rebellen ansprechen, sondern mahnt in einem weiteren Kapitel mit dem sicheren Umgang der Samenbomben und dem Guerilla-Gärtnern allgemein. Was die Samenbomben angeht, sollte man vor dem “Abwurf” sicher gehen, dass das Gelände z.B. nicht unter Naturschutz steht oder in privatem Besitz ist. Ein Bauer freut sich sicherlich nicht, wenn man ihm in sein Getreidefeld irgendwelche Sämereien setzt. Darauf sollte man wirklich achten. Auch mit der Auswahl der Samen, denn es gibt Pflanzen die sich wie Unkraut weiter vermehren und dadurch eventuelle Wildpflanzen am Standort verdrängen können. Bevor man also eine Samenbombe abwirft, sollte man sich das Grundstück genauestens anschauen und abwägen, ob es dem Gelände gut tun würde oder ob man ihm damit schadet (oder sich selbst, wenn es ein Naturschutzgebiet oder ähnliches ist).
Den Teil mit der Pflanzenkunde fand ich ebenfalls sehr ansprechend und informativ. Es gibt zunächst eine kleine Einführung über grundlegende Dinge wie Bodenstruktur und Pflanzenphysiologie. Im Pflanzenteil werden dann 40 Pflanzen vorgestellt, die für Samenbomben geeignet sind. Dies sind allerdings nicht nur Blumen oder Kräuter, sondern auch ein paar Gemüsepflanzen sind dabei
. Jede Pflanze hat einen Steckbrief mit wichtigen Erkennungsmerkmalen und Standort-Infos. Neben der Beschreibung der Pflanze gibt es immer noch Zusatz-Informationen wie z.B. Verwendung in der Küche oder als Heilpflanze und Schädlinge und Krankheiten. Diesen Teil fand ich besonders gut und ich hab das ein oder andere noch gelernt.
Ein weiteres Kapitel widmet sich den Samen: von allgemeinen Erklärungen bis zur Ernte von eigenem Saatgut. Auch hier habe ich aufmerksam gelesen, denn man muss sich ja nicht immer nur Samen aus Tüten kaufen. In der Natur und im Garten finden sich jede Menge interessante Pflanzen, deren Samen ganz einfach selbst zu ernten sind. Anschließend gibt es die verschiedenen Samenbomben-Rezepte, wobei jedes Rezept für bestimmte Zwecke geeignet ist. So gibt es Samenbomben, die Hummeln und Bienen gerne haben, Samenbomben für Schmetterlinge (die ja leider auch immer seltener werden), für Vögel, zum Heilen und so weiter. Am Ende des Buches gibt es noch ein kleine Glossar mit den wichtigsten Begriffen.
Mein Fazit:
Eine Samenbombe selber gebaut habe ich noch nicht, aber ich werde es sicherlich noch ausprobieren. Obwohl ich schon überlege wo ich eine abwerfen könnte, denn hier im ländlichen Raum gibt es ja kaum ungepflanzte Flächen und auch viel Naturschutzgebiete. In einer Stadt kann ich mir gut vorstellen, dass man mit Samenbomben so manches Fleckchen Grau in Grün verwandeln kann. Das schadet wirklich niemandem und gibt der Natur ein Stück von sich selbst zurück. Es bewegt mich, wenn ich lese, dass sich in großen Städten wildfremde Menschen zusammen tun, um zusammen zu gärtnern und in Guerilla-Aktionen unschöne Flecken wieder begrünen. Sie haben nichts davon, müssen im Gegenteil noch schwer arbeiten, aber die gemeinsame Tätigkeit und das Ergebnis ihres Tuns geben ihnen Zufriedenheit.
Ok, ein Guerilla-Gärtner werde ich sicherlich nicht werden, aber ich fand das Ganze so interessant, dass ich mich jetzt mehr mit der Natur und den Pflanzen beschäftige wie vorher
. Vor allem die Verwendung von Wildpflanzen in der Küche und als Heilpflanzen interessieren mich sehr, da auch im Buch einiges darüber steht.
Für alle die gerne in der Natur sind und es nicht scheuen mal ein “Risiko” einzugehen
ist das Buch sicherlich interessant. Aber auch für Hobbygärtner und Guerilla-Interessierte und alle die, die es noch werden möchten. Wer mag, kann gerne HIER beim Ulmer-Verlag noch mal nachlesen, denn dort kann man in eine Leseprobe reinschauen. Was ich ganz lustig finde: es gibt für das Buch eine eigene Website und auch Facebook-Seite (Links auf der Website von Ulmer), wo sich Gleichgesinnte austauschen können.
Ich bin dabei – Du auch?
Mich hat diese Idee auch sehr fasziniert, ähnlich wie die Münchner Rausfrauen. Ich war von dem Buch sehr, sehr inspiriert. Samenbomben habe ich bislang keine gebastelt.
Aber wer weiß …
Sabienes
Die Rausfrauen kenn ich gar nicht. Muss mal googlen gehn